„umbra subit terras“ (2011)
für 4-7 st. Männerchor

Text: Ovid, aus "Der Tod des Odysseus" (Metamorphosen, Buch XI)

- einsätzig,
- 6 Min.
- schwer

Ansehen:
H-H-Musikverlag, Bestellnummer SA 054

Auftragswerk der "36. Fränkischen Musiktage" - "Die Macht der Musik"

Vertonter Text:
Publius Ovidius Naso: Metamorphoses, Liber XI
1. Der Tod des Orpheus
[nachdem er von Mänaden durch Lärm besiegt und zerrissen worden ist]
44 - 53
te maestae volucres Orpheu te turba ferarum
te rigidi silices te carmina saepe secutae
fleverunt silvae positis te frondibus arbor
tonsa comas luxit lacrimis quoque flumina dicunt
increvisse suis obstrusaque carbasa pullo
naides et dryades passosque habuere capillos
membra iacent diversa locis caput Hebre lyramque
excipis et mirum medio dum labitur amne
flebile nescio quid queritur lyra flebile lingua
murmurat exanimis respondent flebile ripae
61 - 66
umbra subit terras et quae loca viderat ante
cuncta recognoscit quaerensque per arva piorum
invenit Eurydicen cupidisque amplectitur ulnis
hic modo coniunctis spatiantur passibus ambo
nunc praecedentem sequitur nunc praevius anteit
Eurydicenque suam iam tuto respicit Orpheus

Dich, Orpheus, beweinen trauernd die Vögel, die Schar der Tiere,
die harten Steine, die Wälder, die oft deine Lieder vernommen
haben. Der Baum hat seine Blätter abgeworfen und beklagt dich
mit kahlem Kopf. Man sagt, dass auch die Flüsse durch ihre Tränen
angeschwollen seien, und die Naiaden und Dryaden mit ihren dunklen
Gewändern tragen ihr Haar lose.
Die Glieder liegen verstreut, das Haupt aber, oh Hebron, und die Leier
fängst du auf; und - welch Wunder! - während sie mitten im Strom treibt,
stimmt sie unbekannte Trauerweisen an, klagend lallt dabei die tote Zunge,
klagend hallen die Ufer wider.
Unter die Erde geht der Schatten, und die Orte, die er schon einmal gesehen,
erkennt er alle wieder. Er durchsucht die Stätten der Seligen,
findet Eurydike und umfängt sie liebend mit den Armen.
Dort gehen sie nun in vereintem Schritt.
Er folgt ihr, die vorausgeht, oder geht als erster,
und dabei kann er, Orpheus, sich nun ohne Sorge nach seiner Eurydike umschauen.